Hartwig Spitzer 2014

Prof. Dr. Hartwig Spitzer 

- geboren 1929 in Bromberg
- lebt seit 1997 in Potsdam als Schriftsteller
- war Professor für Regional- und Umweltpolitik an der Justus-Liebig-Universität in Gießen





Stationen 

Hartwig Spitzer verlebte eine begünstigte, großbürgerlich angelegte Kindheit in Brombergan der Brahe, kurz bevor diese in die Weichsel mündet. Von den Eltern umsorgt und mit drei Geschwistern vereint, begann sein Leben in dem berüchtigt kalten Winter 1929. Die glückliche Jugend fiel dagegen aus. Von 1919 bis 1939 war Posen/ Westpreußen polnisch, dann deutsch. 1944, schon mit fünfzehneinhalb Jahren wurde der junge Hartwig zum Kriegshilfsdienst eingezogen. 1945 rechtzeitig entlassen, konnte er mit Mutter und zwei Geschwistern über Vorpommern nach Kurhessen fliehen. Es begannen harte Wanderjahre als Arbeiter, Lehrling und Verwalter in landwirtschaftlichen Betrieben Westdeutschlands, bis nach sechs Jahren das Studium der Landwirtschaft aufgenommen werden konnte. Beginnend in der Fachhochschule für Landwirtschaft und Weinbau und in dem Max-Planck-Institut für Landarbeit und Landtechnik in Bad Kreuznach ging es weiter nach Gießen an der Lahn und Berlin. Das freundliche Weinbaugebiet der Nahe um Bad Kreuznach prägte Hartwig Spitzer. Dort lernte er auch seine Frau fürs Leben, Lore Preuschen, kennen. Ihre Familie war aus Dessau geflohen. Der Hauptort der wissenschaftlichen Tätigkeit wurde die Justus-Liebig-Universität Gießen und ihre Fakultät für Landwirtschaft und Umwelt - allerdings mit Unterbrechungen. Nach der Promotion begannen erneut Jahre der Praxis, diesmal in der Landwirtschaftlichen Siedlungsgesellschaft und der Landwirtschaftskammer in Kaiserslautern, wobei sich Hartwig Spitzer bei der Planung neuer Bauernhöfe in der Westpfalz und in Flurneuordnungen der Vorderpfalz betätigte. 
Es zog ihn aber an die Universität zurück, wo er ab 1964 die Laufbahn des Hochschullehrers fortsetzte, mit ihren feinen Stufen vom Assistenten, Oberassistenten, Dozenten und Professor. Seine inzwischen auf sechs Köpfe angewachsene Familie fand inKloster Arnsburg bei Lich den gewünschten Wohnort. Zwanzig Kilometer südwestlich von Gießen, ländlich im Tal der Wetter am Waldesrand gelegen, war Kloster Arnsburg romantischer Naherholungsort mit kunsthistorischer Bedeutung und erwies sich als ideal für das Familienleben und Ruhepol gegen den Stress an den Hessischen Schulen und Universitäten. Den Kindern wurde es zur Heimat, die es aber nicht bleiben konnte, da Beruf und Familiengründungen (die auch vom Vater vertretene) zeitgemäße Flexibilität forderten. 
Schon als Schüler neigte Hartwig Spitzer zur Schriftstellerei und war auch während des Studiums fallweise im Zweifel, ob er sich diesem Beruf nicht ganz widmen sollte. Er stellte diesen Wunsch zu Gunsten der ebenfalls vorhandenen Liebe zur Wissenschaft und der nach gesellschaftlichem Zusammenbruch als wichtiger erachteten Familiengründung zurück. Die Wissenschaft bot reichliche schriftstellerische Gelegenheit, zwar nicht für schöngeistige, aber für Werke der Fachliteratur. Die Themen wandelten und erweiterten sich im Laufe der Zeit, von der Verbesserung der Agrarstruktur, zur Entwicklung des Ländlichen Raumes, zur Ordnung der Raumnutzung und zu dem flächenbezogenen Umweltschutz. Dabei entstanden grundsätzliche Analysen und räumliche Planungen in allen Ebenen, denen der Gemeinden, Regionen und Länder. Sie konnten nicht nur am Schreibtisch erledigt werden, sondern erforderten immer wieder Studienreisen und Aufenthalte in den Untersuchungsgebieten im Inland und Ausland. Die Forschungsergebnisse ließen sich in den Lehrveranstaltungen - der Hauptaufgabe eines Professors für Regional- und Umweltpolitik -, gut verwenden. Dagegen wuchs sich die Selbstverwaltung, - die frühere Nebenaufgabe – an der überfüllten Universität zur Belastung aus. Die unverhältnismäßige Bürokratisierung der Aufgaben des Institutsdirektors, Dekans, Vorsitzenden des Prüfungsausschusses und ständig neu entstehender Gremien behinderten Forschung und Lehre.
Gegen Ende des erfolgreichen wissenschaftlichen Berufs wurde der alte Wunsch wieder wach, zur allgemeinen Schriftstellerei zu wechseln, um sie, gewissermaßen als zweiten Beruf, zu betreiben. Deshalb entstand, zunächst noch neben Fachveröffentlichungen der Schlüsselroman „Elfenbeinturm“, in dem die gemachten Erfahrungen an der Universität Gestalt erhielten. Der dann erfolgte Wechsel des Wohnortes nach Potsdam erleichterte den Abstand zum alten Tätigkeitsfeld. Potsdam lag der alten Heimat der Eheleute an der Weichsel und an der Elbe näher. Die Erkundung Brandenburgs mit seiner alten Residenzstadt an der Havel, das Wiedersehen mit Berlin und die Teilnahme an dem Umbruch in Ost und West nach der Wiedervereinigung brachten die erwartete Herausforderung , aber auch eine unverhofft starke geistige Bereicherung mit sich. In dieser Zeit entstand der große Familienroman die „Bundesbürger in Agnesien“, für die Periode der alten Bundesrepublik. Die der neuen erlebt Hartwig Spitzer vor Ort, besonders durch die Aktivitäten in der evangelischen Gemeinde der Friedenskirche Potsdam – Sanssouci, in deren Gemeindekirchenrat und Beirat (www.friedenskirche-Potsdam.de). Dort und anderswo in Potsdam lernen sich die Bewohner der alten und der neuen Bundesländer kennen. Im schriftstellerischen Bereich hilft dabei die Beteiligung Hartwig Spitzers an der Autorengruppe der Potsdamer Urania unter Leitung von Franz Fabian (www.urania-potsdam.de). Sie erarbeitet in Buchform herausgegebnen Erzählungen über vergangene und gegenwärtige Erlebnisse.

© Prof. Dr. Hartwig Spitzer 2014